Auf dem Hauptstadtkongress 2018 in Berlin stellte der Online-Therapie-Anbieter Minddistrict die Möglichkeiten des Einsatzes von E-Mental Health zur psychotherapeutischen Behandlung vor.

Was ist E-Mental-Health?

Immer mehr Menschen leiden unter psychischen Erkrankungen und benötigen eine professionelle Behandlung. Jedoch bekommen sie die nötige Hilfe oft erst nach langer Wartezeit. Wartezeit, die fatale Konsequenzen nach sich ziehen kann. Da sich dieser Missstand nicht nur in Deutschland, sondern in zahlreichen anderen Ländern nur sehr langsam bessert, haben Unternehmen und Kliniken in den vergangenen Jahren verschiedene Modelle der psychologischen Intervention entwickelt, die auch online funktionieren.

Die Ergänzung einer ambulanten Behandlung durch eine Online-Therapie bietet für den Patienten viele Vorteile. Wer an einer psychischen Krankheit leidet, verspürt häufig den inneren Druck, sich sein Leiden nicht anmerken zu lassen oder so lange zu kaschieren, bis es vermeintlich besser wird. Gleichzeitig fürchtet er sich vor der Stigmatisierung durch sein Umfeld – und zögert seine Behandlung möglicherweise so lange heraus, bis es nicht mehr auszuhalten ist. Durch Online-Interventionen kann sich ein psychisch Kranker ganz diskret in Behandlung begeben und dabei auch Fahrtwege vermeiden – was ihm erstens das Aufraffen erspart, sich therapieren zu lassen und zweitens das Gefühl nimmt, womöglich von Bekannten, Kollegen, Freunden beim Gang zum Therapeuten gesehen zu werden und sich unangenehmen Fragen ausgesetzt zu sehen.

Besonders vorteilhaft an einer Online-Intervention ist, dass der Patient die Therapiemodule in seinem eigenen Tempo und entsprechend seines individuellen Entwicklungstandes durchführt – auf diese Weise lässt sicher sicherstellen, dass der Patient jeden Therapieschritt so lange vollführt, bis bei ihm auch tatsächlich eine effektive und nachhaltige Wirkung feststellbar ist.

Eine Online-Therapie bedeutet nicht, dass ein Patient vollkommen isoliert vom Kontakt mit anderen Menschen an sich arbeitet – der Austausch mit anderen Patienten ist gerade für Menschen mit einer psychischen Erkrankung sehr wertvoll und ermutigend und wird durch virtuelle Selbsthilfegruppen gewährleistet.

Dass Online-Therapien einen großen Nutzen mit sich bringen können, wurde bereits empirisch bewiesen: Psychotherapeuten aus Kiel und Hamburg fanden dies in der EVIDENT-Studie heraus, bei der die zwölfwöchige Online-Psychotherapie Deprexis, bei der randomisiert 1.013 Patienten mit milder bis moderater Depression evaluiert wurden.

Die Daten zu EVIDENT waren bereits im Frühjahr 2016 publiziert worden. Damals hatte sich gezeigt, dass eine Online-Intervention als Ergänzung zur Standardtherapie einer reinen Standardbehandlung nach drei und sechs Monaten überlegen war, was die Verringerung der Depressionssymptomatik anging. Die Auswertung zeigt, dass der Effekt auch nach einem Jahr anhält.

Wann ist der Einsatz von E-Mental-Health sinnvoll?

Online-Therapiemodule können nicht nur bei Depressionen angewendet werden, sondern bei einer Reihe von psychischen Erkrankungen, u. a. bei:

  • Psychotischen Störungen
  • Persönlichkeitsstörung
  • Bipolare Störung
  • Traumata
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Sucht
  • Autismus
  • Leichter Intelligenzminderung

Der Fokus liegt bei der Psychoedukation, also der Vermittlung von Wissen über die eigene Erkrankung und dem Umgang damit. Auch Module für Angehörige von Betroffenen sind im Therapieprogramm vorgesehen, sodass auch sie besser darauf vorbereitet sind, wie sie mit psychisch erkrankten Familienmitgliedern oder Partnern unterstützend umgehen können.

Für die jeweilige Zielgruppe werden die Inhalte zudem individuell aufbereitet. So wird bei den Online-Modulen für Patienten mit leichter Intelligenzminderung oft auf die Darstellung der Inhalte in Form von Comics zurückgegriffen, die dazugehörigen Texte lassen sich per Vorlese-Funktion leichter verständlich vermitteln.

Wie werden Online-Therapien im Alltag angewendet?

Online-Therapiemodule bieten für Patienten, die stationär behandelt werden, eine Vielzahl an Vorteilen: Gerade für Patienten, die sich an der der Schnittstelle zwischen stationärem Aufenthalt und Entlassung befinden und auf einen Therapieplatz warten, sinnvoll, um auch in der Zeit, in der sie keine Therapien haben, auf therapeutische Inhalte Zugriff haben und auf diese Weise permanent psychoedukative Inhalte und Übungen auffrischen können.

Rein unbegleitete Interventionen verpuffen, begleitete Interventionen sind ungefähr genauso gut wie ambulante Interventionen. Daher wird idealerweise auf sogenannte Blended Pathwaysgesetzt. Hierbei werden Online-Inhalte mit persönlichen Gesprächen kombiniert.

Die Schön-Kliniken gehören zu den ersten Kliniken, die mit ihrem „MindDoc“-Programm bereits eine solche Blended Therapy anbieten. Nach dem persönlichen Ersttermin in der Klinik werden die Online-Interventionen für den Patienten freigeschaltet. Die Einzelsitzungen finden dann per Video-Konferenz statt, in denen der Patient therapeutische Feedbacks, auch erhält er Zugang zu den psychoedukativen Lektionen.

Praktisch: Patienten, die stationär behandelt wurden, können im Anschluss an den Klinikaufenthalt auch auf die Online-Interventionen zugreifen.

Sind meine Daten eigentlich sicher?

Die DSGVO hat natürlich auch für Online-Therapiedienstleister Auswirkungen. Um Sicherheit zu gewährleisten, beschäftigt Minddistrict eigene Hacker, die das System zwei Mal pro Jahr versuchen zu hacken und somit eventuelle Schwächen aufzudecken und zu beheben. Die Patientendaten werden pseudonymisiert via VPN-Client gespeichert und werden von Minddistrict selbst weder aufgerufen noch ausgewertet.

Fazit

Durch den Mangel an Psychotherapeuten und den damit verbundenen langen Wartezeiten stellt E-Mental-Health in seiner Bedeutung steigende Ergänzung zum bisherigen Versorgungsangebot dar. Dass begleitete Online-Interventionen in etwa genauso gut wirken wie ambulante Interventionen und daher für Patienten ernsthaft in Betracht und gefördert werden sollten, belegen mittlerweile mehrere klinische Studien.

Besonders wichtig zu beachten ist, dass nicht nur die Patienten gut mit den Online-Modulen zurechtkommen, sondern auch, dass eine Implementierung bei den Behandelnden stattfindet. Diese sind häufig mit der Digitalisierung im Allgemeinen, aber auch digitalen Möglichkeiten der Psychotherapien im Speziellen, überfordert und müssen daher optimal auf die Möglichkeiten von E-Mental-Health geschult werden, damit Patienten schon bald ihr Glück wieder in die eigene Hand nehmen können.

Dieser Artikel ist ursprünglich bei hashtag-gesundheit.de erschienen.

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