Depressionen werden immer noch verharmlost

In ihrem Deutschlandbarometer Depression veröffentlichte die Stiftung Deutsche Depressionshilfe ein Stimmungsbild darüber, wie die Deutschen über die mittlerweile weit verbreitete Krankheit Depressionen denken.

Die Umfrage deckte dabei erschreckende Wissenslücken bei den Befragten auf.

Im Sommer hatten Forscher im Auftrag der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und der Deutsche Bahn Stiftung 2000 Menschen zwischen 18 und 69 Jahren befragt. Gefragt nach der bisherigen Konfrontation mit der Krankheit antworteten die Befragten wie folgt:

  • Fast ein Viertel (23 Prozent) gab an, schon einmal die Diagnose Depression erhalten zu haben.
  • Mehr als ein Drittel (37 Prozent) berichtete von Diagnosen bei Angehörigen oder Freunden.
  • Nur ein weiteres gutes Drittel (37 Prozent) hatte noch keinen direkten Kontakt mit der Krankheit.

 

 

 

Soweit erstmal nachvollziehbar. Doch was glauben die Befragten, was Depressionen auslöst?

Hier bestehen teilweise extrem erschreckende Wissenslücken. Fast alle Befragten glauben, dass Schicksalsschläge und Stresssituationen der Hauptgrund für eine Erkrankung ist. Jedoch liegen die Hauptursachen für eine Depression primär in der Veranlagung und bleiben bis zu ihrem Ausbruch verborgen und entwickeln sich erst durch Trigger beispielsweise in Form von Schicksalsschlägen und anderen Stressoren, die biologisch bedingt vom Erkrankten weitaus stärker wahrgenommen als bei Gesunden werden, heraus.

Zum Glück gibt es mittlerweile eine Reihe bewährter Therapieformen. Die bewährtesten sind weiterhin die Gesprächstherapie in Verbindung mit einer medikamentösen Therapie in Form von Antidepressiva. Auch über letztere scheinen die Deutschen nicht hinreichend informiert zu sein. 78% der Befragten glaubten demnach, dass Psychopharmaka süchtig machen könnten – ein Grund, warum nicht wenige an Depressionen erkrankte Menschen sich dagegen wehren, Antidepressiva zu nehmen. Allerdings ist es so, dass von Antidepressiva keine Suchtgefahr ausgeht, da sie konkret nur die gestörten Funktionsabläufe im Gehirn beeinflussen.

Nach einer Analyse des Robert Koch-Instituts (RKI) zählen Depressionen inzwischen zu den häufigsten psychischen Leiden in Deutschland. Insgesamt erkranken nach Angaben der Stiftung Deutsche Depressionshilfe jedes Jahr rund 5,3 Millionen Menschen in Deutschland an einer klinischen Depression, sodass man hier mittlerweile von einer „Volkskrankheit“ sprechen kann. Umso wichtiger ist es, viel mehr Aufklärungsarbeit in der Öffentlichkeit über diese tückische Krankheit zu leisten und auch in Politik mit Nachdruck große, langfristige Aufklärungskampagnen sowie einen Ausbau der digitalen Gesundheitsgesetzgebung durchzusetzen, die den Einsatz digitaler Behandlungsmöglichkeiten wie z.B. Apps oder Psychotherapien (hier gibt es momentan einen ersten Testlauf), die komplett online durchgeführt werden, stark vereinfachen.

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