E-Mental Health: Die Zukunft der internetbasierten Psychotherapie

Der Oktober steht traditionell im Zeichen der psychischen Gesundheit. Nicht nur wird am #MentalAwarenessDay an die Bedeutung und Gefahren seelischer Krankheiten erinnert – auch gibt es zahlreiche Veranstaltungen zum Thema mentale Gesundheit wie etwa die Berliner Aktionswoche der Seelischen Gesundheit und der Weltgesundheitskonferenz. Am Rande der in Berlin stattfindenden Weltgesundheitskonferenz fand auch der Kongress der World Psychiatrists Association statt, bei der unter anderem internetbasierte Interventionsmöglichkeiten der psychologischen Betreuung im Fokus standen.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Neben den herkömmlichen Therapieformen wie der klassischen Gesprächstherapie gibt es für Patienten diverse Möglichkeiten, Psychotherapien zum Teil auch digital wahrzunehmen. Dies eignet sich etwa für Patienten mit einer sozialen Angststörung, für die selbst ein Gang zum Bäcker auf der anderen Straßenseite eine riesige Herausforderung darstellen kann.

Internetbasierte Interventionen genießen eine immer höhere Akzeptanz sowohl bei Behandelten als auch bei Patienten und bringen Zeitersparnis, mehr Abwechslung in die Therapie durch neue Medien sowie einen aktiven Umgang des Patienten mit dem jeweiligen Therapieprogramm mit sich.

Auch in Deutschland gibt es bereits eine Reihe erfolgreicher und für an Depressionen erkrankte Menschen entwickelter Selbsthilfe-Apps. Zu den populärsten Apps dieser Gattung gehört Selfapy, ein von Psychologen begleitetes Online Selbsthilfeprogramm, das auf wissenschaftlich belegten Methoden basiert. Mit Hilfe der angebotenen Online-Module sollen negative Denkmuster erkannt und neue Verhaltensweisen erlernt werden. Begleitend zu den Online-Kursen stehen Psychologen in wöchentlichen Gesprächen via Chat oder Telefon zur Seite. Seit kurzem trägt Selfapy den Status eines CE-zertifizierten Medizinproduktes.

Doch es gibt nicht nur therapeutische Komplettangebote: wer sich lieber in einer klassischen Gesprächstherapie behandeln lassen möchte, aber trotzdem im Alltag einige Hilfestellungen benötigt, für den gibt es eine Reihe von nützlichen Apps für das Smartphone, die einem das Leben mit der Depression erleichtern. Dazu gehört die Arya App, mit deren Hilfe man ein Stimmungstagebuch führen kann, die Tätigkeiten des aktuellen Tages aufführen kann und darüber hinaus sogar tracken kann, welche Körperteile ggf. Schmerzen nach sich ziehen. Wer sich in einer depressiven Episode befindet, hat in der Regel keine Vorstellung mehr davon, was man außerhalb der eigenen 4 Wände für Aktivitäten ausführen kann, die im besten Fall dazu zu einer Stimmungshebung führen können. Auch hierfür bietet die Arya App einen riesigen Katalog an Aktivitäten wie laufen gehen, essen gehen oder ein Bild malen, in dem man sich Inspiration holen kann. Die Aktivitätenberichte kann man bequem als Übersicht per E-Mail versenden, sodass man sie ggf. mit dem Therapeuten oder Psychiater besprechen und im Zweifelsfall entgegensteuern kann.

 

E-Health in die Regelversorgung aufnehmen

Immer mehr Erhebungen deuten darauf hin, dass internetbasierte Therapieformen bei Patienten wie Behandelnden eine steigende Akzeptanz und durchaus auch gute Heilungserfolge erzielen. Während das Thema E-Mental-Health in anderen Ländern wie etwa Schweden bereits fester Bestandteil des Versorgungssystems ist, kämpft man in Deutschland noch immer mit der Anpassung der Regularien für ein digitalisiertes Gesundheitssystem. Die Ausstellung von elektronischen Rezepten, Zulassung von Apps als Medizinprodukte, die elektronische Patientenakte bzw. die elektronische Gesundheitskarte sind nur einige Stichworte, in denen sich die Politik sehr schwer tut, Patienten, aber auch innovativen Forschungsinstituten und Unternehmen den Schritt in ein modernes Gesundheitssystem zu ermöglichen. Noch immer gibt es kein einziges Produkt aus dem E-Health-Bereich, das zur Regelversorgung gehört – wann setzt die Politik das wichtige Thema Gesundheitspolitik nach ganz oben auf die Liste und erleichtert Patienten wie Gesundheitseinrichtungen den Genesungsprozess?

 

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